Wieviel Zeit bleibt? Eine Replik auf Harald Martenstein

In der Klimapolitik ist es nicht zehn nach zehn, sondern fünf vor zwölf.

Foto: Timo Klostermeier/Pixelio

“Es tut mir wahnsinnig leid: Ich kann im Panikorchester nicht mitspielen”, bekennt Harald Martenstein in einem unlängst veröffentlichten Kommentar für den Tagesspiegel. Offenbar ist die hohe Aufmerksamkeit, die der Klimaschutz derzeit wieder mit Recht genießt, für Martenstein unangebrachte Panikmache.

Warum der Tagesspiegel-Kolumnist irrt, erklärt James Denman von der Bürgerlobby:

„Harald Martenstein mag keine ‚Panik‘ beim Klima. Ja, die Welt ist schon heißer gewesen (zuletzt vor 120 Tsd. Jahren), damals lebten aber keine Hundertmillionen in Gegenden, die von Hitzeschlag oder Überflutung bedroht sind. Vor 3 Mio. Jahren, als die Erde zuletzt so viel CO2 wie heute hatte, lag der Meeresspiegel um 20-30 m höher. Seine mitteleuropäische Gelassenheit könnte im Gespräch mit einem Bangladeschi keine fünf Minuten überleben. Auch zu Hause handeln wir uns mit dem Klimawandel unberechenbare, elementare Gefahren (Hitze, Niederschlag, Waldbrände, ‚tropische‘ Krankheiten) ein. Einmal entstanden, können wir die Uhr nicht mehr zurückdrehen.
Im Park beruft sich Herr Martenstein bestimmt nicht darauf, dass sein Müll ‚nur 2%‘ des gesamten ausmacht, um überall Plastiktüten liegen zu lassen. Richtig ist, bei CO2 wie im Park, keinen Müll zu machen. Dann kann man andere glaubwürdig auffordern, es einem gleichzutun. Aktuell sind wir in Deutschland nicht Vorreiter, sondern Nachzügler: wir verfehlen unsere Klimaziele und unsere GroKo steht europäisch, während 10 andere Länder wirksamere Klimapolitik fordern, auf der Bremse.
Angesichts der erkennbaren Gefahren, des schnellen Fortschreitens (über 1 Grad Erwärmung sind schon passiert) und der Unumkehrbarkeit des Klimawandels (einmal emittiertes CO2 bleibt jahrhundertelang in der Luft) ist nicht Panik, sondern konsequentes und rasches Handeln erforderlich. Daran geht unsere Lebensweise nicht kaputt: die Kosten liegen bei 1-2% der Wirtschaftsleistung. Man weiß sogar, wie es geht: mit einer CO2-Bepreisung inklusive sozial gerechter Rückverteilung der Einnahmen (wie von der Bürgerlobby Klimaschutz und anderen vorgeschlagen).
Herrn Martensteins falsch verstandene Besonnenheit gefährdet nicht nur ihn selbst, sondern auch viele andere. Bei realen Gefahren sollte man lieber handeln als schönreden.“