Klimaschützer Covid-19?

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Die Chancen stehen gut, dass Deutschland sein CO2-Emissionsziel für 2020 – minus 40 Prozent gegenüber 1990 – doch noch erreicht. Das meldet am 20. März der Berliner Thinktank Agora Energiewende. 2019 lagen die Emissionen noch 36,7 Prozent niedriger als 1990. Für dieses Jahr prognostizieren die Berliner nochmals einen deutlichen Rückgang und machen dafür vor allem zwei Ursachen verantwortlich: den milden, windreichen Winter und die Auswirkungen des Coronavirus, der Industrieproduktion, Verkehr und öffentliches Leben in Deutschland weitgehend zum Erliegen gebracht hat. Wie lange die Pandemie noch anhält, weiß natürlich niemand. Daher kann auch Agora Energiewende für die Emissionshöhe 2020 nur eine Bandbreite angeben: Zwischen 40 und 45% Emissionsminderung gegenüber 1990 sollen es letztlich sein.

Andere Klimaexperten wie Felix Matthes vom Öko-Institut und Claudia Kemfert von DIW haben die Prognose bereits als verfrüht kritisiert. Aber auch Agora Energiewende fordert, dass sich die Politik auf dem Lorbeer der Zielerreichung keineswegs ausruhen dürfe. Viel hängt derzeit davon ab, ob die geplanten Wirtschaftshilfen darauf ausgerichtet sein werden, Industrie und Infrastruktur zu dekarbonisieren, oder ob wieder nur der fossile Status quo ante gefördert wird. Und wenn die Wirtschaft leidet, werden erfahrungsgemäß auch bald Rufe nach Entlastung bei der Energiebesteuerung nicht fern. Der Zertifikatepreis im EU-Emissionshandel ist ebenfalls eingebrochen – am 20. März betrug er gerade noch 15,82 Euro. Einen Monat zuvor waren es noch fast 10 Euro – oder 60 Prozent – mehr gewesen. Der Rückblick auf die letzte große Wirtschaftskrise 2007/2008 stimmt ebenfalls nicht sehr zuversichtlich: Auch damals gingen die CO2-Emissionen kurzfristig stark zurück, stiegen dann aber wieder auf das Niveau vor der Krise. Was folgte, war ein weitgehend „verlorenes“ Jahrzehnt für den Klimaschutz mit stagnierenden Emissionen zumindest in Deutschland.

All das muss nicht so kommen – wenn die EU-Kommission konsequent bleibt beim Klimaschutz, wenn die Investitionsprogramme in eine grüne Infrastruktur kommen wie geplant und wenn die Industrie nicht ausgerechnet dort entlastet wird, wo sie CO2 ausstößt. Bleiben wir also politisch am Ball – es lohnt sich!