Gespräch im Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

v.l.n.r.: Martin Delker (München), Tina Michels (Bad Doberan), Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, James Denman (Berlin)

02.04.2019  Zu einem intensiven 90-minütigen Gespräch über den Stand der Klimapolitik in Deutschland trafen sich drei ehrenamtlich Aktive der Bürgerlobby Klimaschutz mit Prof. Dr. Ottmar Edenhofer auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Herr Edenhofer ist Professor an der Technischen Universität Berlin und Direktor sowie Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Dabei ging es um eine Reihe von Themen: von den Ergebnissen der “Kohlekommission”, über den Emissionshandel auf EU-Ebene, einen in Folge des Nichterreichens deutscher Klimaziele zukünftigen Emissionsrechtekauf bei anderen EU-Staaten und die Chancen einer einheitlichen CO2-Steuer auf EU-Ebene, bis hin zu Ideen zur Vermeidung von Härten durch eine CO2-Bepreisung für einzelne Bevölkerungsgruppen (“Stadt-Land-Gefälle” als Nachteil für Pendler, was verstärkt als Gegenargument eingesetzt wird). Natürlich war auch der aktuelle Entwurf des Klimaschutzgesetzes und dessen mögliche Weiterentwicklung ein Gesprächsthema.

Bezeichnende Aufschrift auf einem seltenen Kyrillischen Globus im Potsdam-Institut (“Zerbrechlich – Bitte mit Sorgfalt behandeln!”)

„Die Schüler haben recht: es ist dringend“

Zwei Tage zuvor habe ihn Greta Thunberg besucht: Professor Edenhofer zeigte sich beeindruckt von ihren vielen fachkundigen Fragen und davon, wie genau sie zugehört habe.

Den notwendigen Umbau der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität sieht er als größten Strukturwandel seit der Industriellen Revolution in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts. Dieser würde auch die Anstrengungen zum Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg in den Schatten stellen; für eine solch gewaltige Aufgabe bedürfe es eines ähnlichen sozialen Kontrakts wie damals unter Kanzler Ludwig Erhard.

Zur Rolle der Bürgerlobby

Wenn nicht nur Wissenschaftler wie er, sondern ganz normale Bürger wie wir die Botschaft an die Politiker überbringen, könnten die sich nicht länger verstecken hinter einem vermuteten anderslautenden ‘Bürgerwillen’ mit fehlender Befürwortung eines CO2-Preises in der Bevölkerung. Auch nehme ihnen dies die Sorge um die vermeintliche Gefahr einer Gelbwesten-Bewegung in Deutschland. Deswegen sei diese Art von Bürgerengagement besonders wichtig.

Aussicht auf internationale Fortschritte

Für die kommenden Verhandlungen bei der COP 25 in Chile sieht er Fortschrittspotenzial bei den sogenannten “Kooperationsmechanismen nach Artikel 6 des Übereinkommens von Paris“. Europa sei sehr bedeutsam als Trendsetter für die Regeln der CO2-Bepreisung, das könne sehr wohl Modellwirkung auf andere Länder haben.