CCL auf der COP21: die Carbon Pricing Leadership Coalition

CCL auf der COP21, Tag 2:  Mehr über die Carbon Pricing Leadership Coalition

von Jessica Langerman

(deutsche Übersetzung: Martin Delker)

Letzte Nacht fanden mehr als zwanzig Citizens‘-Climate-Lobby-Aktive den Weg in in die Rue Pastourelle 32, in eine kleine Wohnung mitten im Marais-Viertel, die sich, zusammen mit “Place to B”, zur CCL-Zentrale in Paris entwickelt hat. Die Aktiven hatten einige Hürden zu überwinden: 1)  die Adresse mitten im Labyrinth der engen, kopfsteingepflasterten Straßen lange nach Einbruch der Dunkelheit zu finden; 2) die Sicherheitstastenfelder an den Eingangstüren zu überwinden; 3) die Wahl zu treffen, sich entweder in den Miniatur-Aufzug zu quetschen (gerade mal groß genug für zwei unterernährte Pariser) oder – nach einem langen Tag auf den Beinen – die vier Treppen auf schmerzenden Füßen hinaufzusteigen; 4) herauszufinden, welche der drei nicht-gekennzeichneten Wohnungen die ist, in der sie erwartet wurden.

Freudige Nachricht: alle waren dieser Aufgabe gewachsen!

CCL-Paris-Team (hinten im weißen T-Shirt: Jerome Chladek (GER))

Neue Gesichter aufgetaucht: unter anderen trafen wir den serbischen CCL-Aktiven Djordje Samardzija (Vorname wird etwa wie im Englischen “George“ ausgesprochen) und die neuen Praktikanten Morgan Holz und Zachary Beaudoin [und unseren Rostocker CCL-D-Aktiven Jerome Chladek; Anm. MD]. Auch Cathy Cowan Becker kam früher als erwartet aus Ohio an. Alle stellten sich vor und machten es sich, zur Nachbesprechung mit den anderen, auf dem großen Sofa bequem. Als wir Platz genommen hatten, erzählte uns Joe [Joe Robertson, CCE’s Global Strategy Director; Anm. MD] die erstaunlichen Neuigkeiten des Tages: dass Frankreichs Präsident François Hollande, zusammen mit weiteren Staatsoberhäuptern und Weltbank-Präsident Jim Yong Kim die Carbon Pricing Leadership Coalition vorgestellt hat. Inspiriert von der Citizens Climate Lobby und angeführt von der Weltbank, ist die Carbon Pricing Leadership Coalition (CPLC – mein Gott, diese Abkürzungen!!) eine neue globale Organisation, die sich aus UN-Behörden, 12 nationalen Regierungen (einschließlich Kanada, Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und Spanien), fünf subnationalen Regierungen (Quebec, British Columbia, Alberta, Ontario und Kalifornien) und mehr als 60 Unternehmen (einschließlich BP, Enel und Shell) zusammensetzt. Das Ziel der CPLC ist es, allen nationalen Strategien bis 2020 einen CO2-Preis hinzuzufügen, und so den kostengünstigsten Weg zu gewährleisten, eine echte globale Antwort auf den Klimawandel zu realisieren. Sie wird daran arbeiten, das langfristige Ziel eines gesamtwirtschaftlichen CO2-Preises voranzubringen, indem

  • sie CO2-Preis-Maßnahmen stärkt, die Investitionen in einem angemessenen Verhältnis zum Ausmaß der Herausforderung des Klimawandels umleitet;
  • sie die Umsetzung bestehender CO2-Preis-Maßnahmen voranbringt und stärkt, die es erlauben, besser mit Anlagerisiken und -chancen umzugehen; und
  • sie die Zusammenarbeit verbessert, um Informationen, Know-how und bewährte Praktiken auszutauschen.

Die Nachricht war atemberaubend – ein wirklich aufregender Augenblick für diejenigen von uns, die Zweifel hatten, ob auf der COP21 nennenswerte CO2-Preis-Aktivitäten entstehen würden. Wir sahen uns alle verwundert an und waren uns nicht sicher, ob wir unseren Ohren trauen konnten.

“Es gibt ein grundlegendes Missverständnis in der ganzen Kommunikation über Paris in Bezug auf CO2-Preise, nämlich die Annahme, dass etwas, das nicht im Text der Pariser Vereinbarung auftaucht, nicht vorhanden sei”, sagte Joe. “Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die formale Vereinbarung mit rechtsverbindlichen Beschlüssen, über die die Regierungen abgestimmt haben, offensichtliches endgültiges Ergebnis der Konferenz sind. Es [das Ergebnis] ist jedoch nicht so sehr eine Vereinbarung, als vielmehr ein Paket.”

Es gibt tatsächlich vier “Säulen” des COP21-Prozesses:

  • Der Wortlaut der Vereinbarung, und der verschiedenen rechtsverbindlichen Beschlüsse der 196 Nationen, die die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 ratifiziert haben;
  • Die “INDC‘s” (“intended, nationally-determined contributions” [beabsichtigte, auf nationaler Ebene festgelegte Beiträge; Anm. MD])
  • Die vereinbarten Finanzierungsmechanismen
  • Die Aktionsplattformen für die Umsetzung dieser ehrgeizigen Ziele

Eine dieser Aktionsplattformen ist die CPLC. Ihr Start gestern war das erste Mal in der Geschichte der UN-Klimaverhandlungen, dass Staatsoberhäupter vereinbart haben, mit Nicht-Regierungs-Organisationen und Unternehmen – einschließlich Führungskräften von Ölunternehmen – an einem Tisch zu sitzen, um zu entscheiden, wie CO2-Preis-Lösungen auf der ganzen Welt bis 2020 bereit gestellt werden. Diese Mission wird nicht nur durch die Weltbank, sondern auch durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) unterstützt. Es ist, sagt Joe, “Das erste Mal in der Geschichte, dass jemand wie Angela Merkel an einem Tisch sitzt mit jemand wie Mark Reynolds [CEO der Citizens‘ Climate Lobby, Anm. MD]; und die beiden werden gleiches Stimmrecht haben.” Es kommt nicht allzu oft vor, dass Umweltschützer gute Nachrichten dieser Größenordnung bekommen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir wussten, wie man darauf reagiert. Die gesamte Gruppe sah so perplex aus, dass Joe es uns nochmal mit ganz einfachen Worten sagen musste: “Das ist jetzt Realität, sie ist jetzt gegründet und nimmt im Jahr 2016 ihre Arbeit auf.” Er sagte sogar, “Der Lieblingspremierminister von allen, Justin Trudeau, hat sich formell der Gruppe angeschlossen.”

Sarabeth Brockley, CCL Global Strategy Advisor, platzte herein: “Er hat wörtlich gesagt: ‚Kanada ist wieder da, meine Freunde‘ ” zitierte ihn Sarabeth, ” ‚Wir sind hier, um zu helfen‘ ” Mit diesen Worten platzte ein Knoten. Hoffen wir mal, dass unsere französischen Nachbarn nichts gegen diesen Jubelausbruch hatten, der spät in der Nacht aus dem Fenster dieses ruhigen Wohngebäudes mitten im Maraisviertel drang. Ein Hurra für unsere CCL-Kanada-Aktiven im Norden!

Jessica Langerman ist CCL-Aktive aus Wellesley Hills, MA, und Gründerin von Climate XChange.

Unser Team in Paris postete täglich Berichte (auf englisch) auf CCL’s blog.